Archiv für den Monat: Juni 2006

You’ll never walk alone – Thalia Lesung mit, bzw. eher von Flo von den Sportfreunden

>>You’ll never walk alone< <

In der Thalia Buchhandlung, zwischen den Abteilungen Politik & Zeitgeschehen, sowie Philosophie & Weltreligionen – wobei ich da nicht alleine walkte sondern in einer viel Zahl Teeniescharen saß …

„1./ Es gibt intellektuelle Fußballer/ 2./ Musik bewegt, Musik verändert/ 3./ Liebe erst recht.“

Mit diesen Worten faengt Florian Weber, die selbsternannte Rakete der >Sportfreunde< , sein Buch an.
Ganz anders aber seine Lesung, denn auf das obligatorische „Hallo ich bin der Flo & hab’ ein Buch geschrieben“ folgt die Erklaerung der zwei Minuten Verspaetung, „Ich war beim Antipasti Laden an der Ecke“ (ich mutmaße mal er meint Pizza Hut ?! – verakademisiert versteht sich).

Trotz meines schnell entschiedenen Kartenkaufs, im Vorverkauf (knapp vier Stunden vor Beginn also), bin ich mit Vorbehalten in die Lesung gegangen. Wusste ich doch eigentlich nicht mehr von den >Sportfreunden Stiller< , als dass sie Musik machen koennen.
Beim Schreiben und beim Vorlesen war ich mir da nicht so sicher, ganz zu schweigen davon, dass ich nicht einmal genau wusste Wer denn jetzt von den dreien, bzw. zweien (denn auch ich habe das typische „Jeder-kennt-den-Saenger-Syndrom“), Flo sei.
Nach dem ich das aber gleich mit einem Blick auf das Veranstaltungsplakat klaeren konnte, hatte ich das auch geklaert und war bereit zu zuhoeren um kompromisslos jedem seiner vorgelesenen Worte die Chance zu geben sich mit meinem Vorurteilen zu messen.

Andere, besonders die Teeniereihen vor mir, waren noch nicht soweit; Warum auch immer (ich hab das „Beruehmte-sind-so-geil-Syndrom“, im Gegensatz zu dem oben genannten, noch nie verstanden) – das Licht war jedenfalls seit einigen Minuten schon heruntergestellt und bot keinem kreischenden Lidstrich verziertem Augen mehr den Anblick des recht kleinen Drummer und ehemaligem erfolglosen Klavierspieler.
Zwischen den genannten Abteilungen, natuerlich nahe der Thalia Lounge las nun einer DER >Bolzplatz Heroes< ueber Fussball, Frauen, Alkohol und Musik - dem Alter des Abend angepasst ausgedrueckt: kicken, ficken, saufen und … na ja Musik eben. Klingelnde Handys, summend wummernde sich bemerkbar machende SM (da SMS = Short Message Service heißt nur SM) und noch vor dem Halbzeitpfiff gehende Zuhoerer (mussten angeblich zur Arbeit – klar, Knick Knack sag ich nur !!!) waren mir zum ersten Mal peinlich fuer meine mir von der Gesellschaft zugesprochene Zugehoerigkeit dieser Generation. An sich ein Trauerspiel der heutigen "Jugend" (in der ich mich natuerlich als einzigartig Andersartige extrovertierte und mittlerweile auch introvertiert das Akzeptierende bezeichne … - ??? ? Ja passt schon !), dass es nicht selbstverstaendlich ist sein Handy auszustellen, wie es doch jeder „Depp“ sogar im Kino macht. Apros pros Depp, denn gab es laut >Mister-one-and-only-ich-hab-viel-gemeinsam-mit-dem-Protagonisten-bin-aber-die-Realitaet-und-er-nur-eine-Fiktion< auch bei ihm in der Schulzeit ... Hausaufgabe ein Gedicht mit Liedtextzeile, egal ob Pop oder Volksmusik. Unweigerlich muss ich eingestehen, dass ich zu diesem Moment schon nicht mehr zweifelte, dass Flo (wie ich ihn kumpelhaft einfach mal nenne, ohne ihn zu kennen) auch im zarten Alter von zwoelf ein großer Poet gewesen sein musste; Ganz im Gegenteil zu seinem Banknachbarn der "es ist eine Ros'" entsprungen mit "es ist ein Ross" entsprungen verwechselte was sich im Buch wie folgt liest (aber im Original verdammt geiler anhoert): "Wer Pferden (damit ist das Roß, denn Rosen koennen ja nicht springen, gemeint) in die Kimme zwickt ist halb verrueckt" ... Im Ueberigen schoen von jemanden,der gut zwoelf Jahre aelter ist als ich zu hoeren, dass er das Wort Blubberwasser dem Mineralwasser (mit Sprudel) vorzieht und das im gleichen Satz in dem er auch die durchaus ausgepraegteren Maennerkoeper der Vereinstuerken bestaunt, die allerdings immer mit Badehose duschen. Ach, eigentlich will ich gar nicht viel mehr sagen, als das meine Vorurteile gegenueber einem schreibenden >Sportfreund Stiller< (dem Flo, der der ist mit dem Piercing – irgendwo muss man sich ja lang hangeln – gedaechnistechnisch) sich komplett verfluechtigt haben, was nicht zu letzt daran liegt, dass er drummender, singender, schreibtechnisch sogar vorlesender Diplomsportwissenschaftler ist (fuer die ich vielleicht eine kleine Schwaeche habe - zumindest ab jetzt fuer Ihn) und herrlich amuesant, sueffisant, fantastisch drastisch traurig zum Lachen & Weinen bringend die geschriebenen Worte vorliest, sodass ich als ausgebuffte (erst hatte ich anstatt des „b“ ein „p“ geschrieben – Gott sei Dank hat das Rechtschreibprogramm mich auf meinen Fehler hingewiesen) Wortspieler- und Liebhaberin nicht in debil freundliches (wie die Teeniereihen vor mir) sondern ich gluecklich schwelgendes Lachen verfallen bin. In diesem Sinne lesen lohnt und zuhoeren: auch ! ps.:Ich bezweifele ueberigens, dass der Abend auch nur halb so lustig gewesen waere, wenn nicht die ganzen Null-Ahnung-von-Nichts-Vorlagen“ dagewesen waeren – im Klartext: ohne die ihn anschmachtetenden Maedels und ihre begleitenden Kifferfreunde, haette „der Flo“ nicht die sueffisanten Seitenhiebe oder auch die zynisch akademisch intellektuellen Zaunpfahlwinke ueber Lacher auf Kommando bringen koennen Fazit: Fantastische Vorlesung, Fantastischer Flo also alles in einem ein Fantastischer Abend (wobei das keine Anspielung auf das eine andere Band sein soll) auch trotz der debil grinsenden Teeniepickelgesichter vor mir (stellt euch vor, die eine hatte pinke Haare, die trotz der straßenkoeterblonden original herauswachsenden fettigen Haare nicht annaehernd so scheiße aussahen wie der verwischte Lidstrich à la „Ich-waer-so-gern-ein-Vamp-hab-es-aber-nur-zu-einer-mittel-maeßigen-Teenage-Punk-Schuelerin-geschafft“. (kleine Anmerkung am Rande: 06.06.06 – kein datum des Teufels a. weil sowie so eigentlich 2006 und b. weil Florian Weber eindeutig nicht mit rauchendem Kopf und eben solchem rotanlaufend saemtliche schwarzgekleidete in die Unterwelt gezogen hat – auch wenn ich mir vorstellen kann, dass er die eine oder andere Handybimmlerin gerne von der Lesung verbannt haette) pps: Sollte es mir peinlich sein, dass ich wusste was warum die Muenchner und Braunschweiger Loewen gemeinsam vereint, oder noch viel schlimmer, als einziges Maedchen, das bisher einzige Meisterjahr zu kennen (wobei bei dem Publikum heute ist es sogar moeglich, dass auch die ganzen Jungs (denn das waren sie) nicht wissen, wann der Pokal auch einmal auf unserem Rathausbalkon gezeigt wurde (geschweige denn wo das Rathaus ueberhaupt ist & wer da drin sitzt – ausgenommen der aeltere Herr lehnend an der Saeule !) … pps: eigene Antwort: nö – wer will schon ein debil lachendes Maedchen sein ?